Alexandra Potratz von intombi: “Mädchen haben ein großes, nicht ausreichend gefördertes Potential, etwas zu bewirken – für sich selbst und für andere”

Katharina: Liebe Alexandra, erzähle uns wer du bist und was du machst.

Alexandra Potratz: Vor 10 Jahren habe ich mit sieben weiteren Gründungsmitgliedern gemeinsam intombi e. V. gegründet. Seitdem bin ich Vorstandsvorsitzende unserer gemeinnützigen Organisation. Die Idee zur Gründung ist durch meine Mitarbeit in einem Heim für Mädchen in Südafrika und in einer Mädchengruppe in Deutschland entstanden.

Durch die Arbeit mit den Mädchen in den verschiedenen Ländern, wurde mir bewusst:

 

 

Mädchen haben häufig ein großes, nicht ausreichend gefördertes Potential, etwas zu bewirken – für sich selbst und für andere.

 

 

Um genau dieses Potential zu fördern haben wir in den letzten Jahren Mädchengruppe in Südafrika, Ruanda und Deutschland aufgebaut. Hier erhalten die Mädchen die Unterstützung, die jeweils vor Ort notwendig ist, um erfolgreich in die Zukunft zu starten. Unser #girlsforgirls Blog verbindet alle unsere Mädchengruppen und unterstützt Mädchen dabei, eine Zukunftsperspektive zu finden, die ihrer Passion entspricht.

Ich habe Soziale Arbeit und Sozialmanagement studiert und promoviere zum Thema Digitalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit. Als Autorin und Dozentin im sozialen Sektor möchte ich außerdem einen Beitrag zur Digitalisierung der Sozialen Arbeit lokal und international leisten. Außerdem engagiere ich mich für soziale Startups und unterstütze gerne Menschen, die welche gründen möchten.

 

 

Copyright: André Josselin

 

 

Katharina: Warum liegen dir Mädchen so sehr am Herzen?

Alexandra: Die Gründungsidee für intombi ist entstanden, als ich gerade Anfang 20 war. Das heißt, ich fühlte mich selbst noch ein wenig als Mädchen. Ich bin schon damals immer ganz stark meiner Passion gefolgt und habe immer versucht, die Dinge machen zu können, die mich nicht nur auf dem Papier weiter bringen, sondern auch begeistern.

Bei einem Südafrika-Aufenthalt habe ich damals gesehen, wie schwer es für einige Mädchen ist, ihren Interessen zu folgen und wie es einigen Mädchen überhaupt an Chancen für eine gute Zukunft mangelte. Gleichzeitig habe ich das große Potential der Mädchen gesehen und konnte es nicht akzeptieren, dass dieses Potential keine Chance bekommen sollte. Zur gleichen Zeit habe ich bei vielen Mädchen, mit denen ich in Deutschland gearbeitet habe, gesehen, dass sie auf Grund der Flut an Möglichkeiten für ihre eigene Zukunft überfordert sind.

Einige wissen nicht, wohin es für sie gehen soll und es gibt für sie keinen Grund sich auf ihre Zukunft zu freuen, sondern sie macht ihnen viel mehr Angst. Sowohl in Südafrika, als auch in Deutschland möchte ich für die Mädchen gerne erreichen, dass sie ihre Passion leben können und sich dabei gegenseitig unterstützen.

Ich glaube fest daran, dass sich Berge versetzen lassen, wenn man der eigenen Leidenschaft folgt und das verfolgt, was einen begeistert. Damit Mädchen sich trauen, an ihren Traum zu glauben, braucht es manchmal gar nicht viel: Gute Vorbilder und Bestärkung durch andere sind oft entscheidend. Dabei ist sehr hilfreich, dass viele Mädchen und junge Frauen sehr offen sind, ihre eigenen Erfahrungswerte weiterzugeben und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

 

 

 

Katharina: Warum ist deiner Meinung nach die Stärkung von Mädchen in unserer Gesellschaft so wichtig?

Alexandra: In unserer globalen Gesellschaft können wir es uns nicht leisten, die Potentiale von so vielen Mädchen zu vernachlässigen. Wenn Mädchen ihre eigene Passion kennen und sie die Möglichkeit haben, diese zu verfolgen, wird das unsere Gesellschaft reicher machen – an ambitionierten Mitgliedern in unserer Gesellschaft, die gute Ideen haben, diese mit Ausdauer verfolgen und damit viel Gutes bewirken.

So können wir auch perspektivisch in einer solidarischen Gesellschaft leben, die geprägt ist von Innovationen und guten Ideen. Immer häufiger nehme ich wahr, dass Verbote und Einschränkungen als schnelle Lösungen für Probleme gesehen werden. Ich denke jedoch, dass diese häufig nur als notwendig angesehen werden, weil wir keine besseren Lösungsideen haben oder neuen Ideen keine Chance geben.

Jedes einzelne Mädchen kann die Welt ein Stück weit zum Positiven verändern kann – für sich selbst und darüberhinaus auch für andere. So können wir unsere globale Gesellschaft für die Zukunft besser aufstellen und darüberhinaus auch das persönliche Glück für jede einzelne fördern.

 

 

Copyright: André Josselin

 

 

 

Katharina: Intombi ist eine gemeinnützige und zugleich sehr erfolgreiche Initiative. Wie hast du das geschafft?

Alexandra: Wir haben intombi über 9 Jahre ehrenamtlich aufgebaut und verstehen uns inzwischen seit einem Jahr als soziales Startup mit einem kleinen, engagierten Team, was sich auch hauptberuflich unserer Arbeit für Mädchen widmet. Erfolg messen wir als gemeinnützige Organisation nicht an Gewinnen, sondern vielmehr an Impact für unsere Zielgruppe, die Mädchen.

Damit wir eine möglichst große Wirkung für die Mädchen erzielen, arbeiten wir partizipativ und versuchen die Mädchen möglichst weitgehend in die Entwicklung unserer Angebote und Projekte einzubinden. Darüberhinaus ist unsere Organisation erfolgreich wegen der vielen Engagierten und Unterstützer unserer Arbeit, die machen sie erst möglich.

 

Katharina: Gibt es ein Buch, das dich beruflich oder persönlich weitergebracht hat? 

Alexandra: Das Buch von Lea Ackermann „Um Gottes willen, Lea“ hat mich unter anderen beeinflusst und in der Gründung von intombi bestärkt. Lea Ackermann ist eine Nonne, die selbst die Frauenhilfsorganisation SOLWODI (Solidarity with woman in distress), gegründet hat und mit ihrer besonderen Persönlichkeit prägt.

 

 

 

 

Katharina: Was würdest du einer jüngeren Alexandra mit auf dem Weg geben?

Alexandra: Ich würde einer jüngeren Alexandra mit auf den Weg geben, schon etwas früher einen klareren Fokus zu setzen und nicht so viele Ideen, Projekte und Aktionen innerhalb von intombi gleichzeitig anzugehen. Sich also auf eine konkrete Aktivität fokussieren und bei dieser größer zu denken und sich auch mehr zu trauen wäre mein Rat. Um schneller voran zu kommen, wäre ein stärkerer Fokus und an manchen Stellen etwas mehr Mut sicher hilfreich gewesen.

 

Katharina: Hast du ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches?

Alexandra:

 

Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern. – Nelson Mandela

 

 

Katharina: Was sind deine Pläne für die Zukunft von Intombi und Privat?

Alexandra: Ich freue mich darauf, schon bald ein intombancinci (=kleines Mädchen) zu bekommen. (lächelt) Außerdem freue ich mich auf ganz viel intombi Action – online und offline – mit dem tollsten Team. Wir werden mit unseren #PassionWeeks so richtig durchstarten und haben schon einige super spannende Themen geplant. Ich freue mich auf jedes einzelne.

 

Katharina: Ich danke dir, liebe Alexandra, für deine Zeit und das schöne Interview. 

 

 

Copyright: André Josselin

 

 

Du möchtest Alexandra Potratz von intombi noch besser kennenlernen und ihre Arbeit unterstützen? Hier findest du sie:

www.intombi.de

@intombiforgirls

 

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