OZN Gründerin Nina Skarabela: „Man muss sich unabhängig von der Meinung anderer machen.“

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Kati: Liebe Nina, erzähle uns doch davon, wie du OZN gegründet hast.

Nina: Ich habe ursprünglich Grafik Design studiert und hatte bereits vor OZN schon mal ein kleines Beauty Label. Ich liebe es, etwas herzustellen, wenn ich am Ende vom Tag etwas in der Hand halten kann. Nicht etwas Vergängliches, wie ein Flyer, den man irgendwann wegwirft, sondern tatsächlich ein Produkt.

Mein Geschäftspartner David hat mich eines Tages angerufen, weil er eigentlich etwas von uns kaufen wollte. Ich habe ihm erzählt, dass es uns gar nichts mehr gibt. Er ist Hersteller von Nagellack und produziert immer nur für andere, hat aber schon immer von seinem eigenen Label geträumt.

Daraufhin hat er mich gefragt, ob wir nicht gemeinsam etwas machen wollen. Eigentlich hatte ich anfangs erst gar keine große Lust mehr auf eine eigene Marke, aber David hat mich relativ schnell überzeugen können. Was die Optik und das Design angeht, hat er mir vollkommen freie Hand gelassen. Er kümmert sich um die Herstellung und die Logistik und so ergänzen wir uns gut.

Damals war das Vegane im Kommen und die Leute haben angefangen darauf zu achten, was in den Sachen drin ist. Da ich auch selber wahnsinnig viel Nagellack verwende, war es mir natürlich auch wichtig, dass er so schadstoffarm wie möglich ist. Und so kam es dazu.

 

Kati: Was ist deiner Meinung nach die wichtigste Eigenschaft, um erfolgreich zu sein, sowohl beruflich, als auch privat?

Nina: Ich glaube, dass man sich unabhängig von der Meinung anderer machen muss. Natürlich sollte man sich Gedanken machen, was der Zielgruppe gefallen könnte, aber eben nicht nur. Ich kann hier nur von mir sprechen, aber ich möchte hundert prozentig hinter meinen Produkten stehen.

Wenn man immer überlegt, was den anderen gefallen könnte, verwässert es das, was man machen möchte. Das war meine Herangehensweise und darin habe ich mich nicht beirren lassen.

 

 

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Kati: Was magst du an deinem Job als Gründerin und Selbstständige am meisten und was am wenigsten?

Nina: Am meisten liebe ich, dass ich alles genauso machen kann, wie ich es möchte. Da wir eine recht kleine Marke sind, zumindest mit David und mir als Kopf, gewinne ich in vielen Bereichen einen Einblick. Ich mache Presse, Social Media, Vertrieb, Verhandlungen und muss erahnen, was der nächste Trend ist. Dadurch lerne ich eben total viel. Außerdem treffe ich wahnsinnig viele nette Menschen aus der Beauty-Branche, ob das jetzt Bloggerinnen oder Gründer andere Marken sind. Wie wir uns gegenseitig helfen und unterstützen, ist total schön.

Was natürlich schwierig ist, ist die Verantwortung. Wenn ich sage, dass wir Gelb ins Sortiment aufnehmen und Gelb nicht läuft, bin ich schuld. Außerdem habe ich keinen Chef und wenn ich nichts mache, passiert auch nichts. Das ist nicht immer einfach, man muss sich schon auch disziplinieren und drauf schauen, was gerade wichtig ist und was nicht.

 

Kati: Woher nimmst du deine Inspiration und Ideen für neue Farben und Namen?

Nina: Ich gehe häufig nach meinem eigenen Geschmack, aber natürlich auch, was wir schon haben und was Kunden gerne hätten. So langsam wird es bei den Farben schwer, dass man sich nicht wiederholt. Ich schaue auch danach, was mir persönlich noch in meiner Sammlung fehlt.

Klar lasse ich mich auch von Fashionshows und Streetsyles inspirieren, aber eher für das Drumherum. Wie mache ich meine Fotos? Wie gestalte ich die Verpackung oder den Flyer? Gerade ist es ja eher in, alles etwas edgy und unperfekt dazustellen. Bei den Farben an sich sind uns auch Trends wie Pantone-Farben immer super wichtig. Die großen Trends, an denen man nicht vorbeikommt, nehmen wir auch mit.

Die Namen kommen in erster Linie daher, dass sich meine Freundinnen alle einen Lack aus den ersten 100 Farben aussuchen konnten. Später freuten sich auch Redakteurinnen oder Bloggerinnen darüber, Namenspatin für einen Lack zu sein, das ist für mich ein schöner Weg DANKE zu sagen für die ganze tolle Unterstützung und Presse.

Ganz neu bei uns: Man kann den Nagellack personalisieren. Einfach auf unserer Seite eine Farbe aussuchen und dann seinen Namen oder etwas anderes in das Feld hineinschreiben. An Weihnachten haben die Leute da so süße Sachen drauf geschrieben. Das passt ganz gut zu unserem Namenskonzept und macht das Ganze ein bisschen persönlicher.

 

Kati: Was sind deine Lieblingsbücher, die dich weitergebracht haben?

Nina: Mein liebstes Buch ist „Die Glut“ von Sandor Marai. Sandor Marai ist ein ungarischer Schriftsteller, der schon lange tot ist. In dem Buch geht es um die Freundschaft zweier Männer, die sich über Jahrzehnte hinweg nicht mehr sehen und sich dann aussprechen. Der Kern des Buches ist Freundschaft und ob diese aufhört, wenn ein Mensch nicht mehr so funktioniert, wie ich das gerne hätte.

 

Das Thema lässt sich auch auf Beziehungen übertragen und ich habe das Buch mehrfach auf Hochzeiten zitiert, wenn ich eine Rede halten durfte. Ich bin seit 10 Jahren Psychotherapeutin und habe das Buch schon oft gelesen. Man könnte fast sagen, dass das Buch eine therapeutische Wirkung hat. Es stehen sehr schöne Lebensweisheiten darin, die man hinterfragen kann. Mir hat das Buch extrem geholfen, ich liebe es sehr.

 

Kati: Welchen Tipp würdest du Frauen geben, die auch als Gründerin durchstarten wollen?

Nina: Auch hier kann ich nur von mir sprechen. Wichtig ist, dass man irgendwo anfängt. Und wenn es nur ist, dass ich mir einen Zettel nehme und etwas aufschreibe oder mir überlege, was ich denn eigentlich will. Ich sehe ganz oft, dass die Leute super Ideen haben und es dann ein anderer schneller, weil er eben einfach losgelegt hat.

Was auch wichtig ist, dass die Geschäftsidee im Rahmen der Möglichkeiten umsetzbar ist. Man muss etwas so aufbereiten, dass man es bewerkstelligen kann. Und man sollte sich fragen: Kann ich das überhaupt schaffen? Man sollte sich nicht zu sehr damit überfordern. Und man sollte etwas wählen, womit man sich tatsächlich schon auskennt. Je größer die Expertise in dem Bereich ist, desto besser. So kann man Fehler vermeiden.

 

Kati: Hast du ein Lieblingszitat?

Nina:

Old ways won’t open new doors.

 

Kati: Was würdest du einer jüngeren Nina mit auf dem Weg geben?

Nina: Ich neige dazu, viele verschiedene Sachen gleichzeitig zu machen, wie das Grafik-Design-Studium, die Psychotherapeutenausbildung und das Gründen. Davon bereue ich aber gar nichts. Im Gegenteil: Es ist heute zum Beispiel gold wert, Grafik-Design studiert zu haben. Ich habe allerdings lange gebraucht, um das für mich auch so zu erkennen und dahinterzustehen, weil mir viele geraten haben, bei einer Sache zu bleiben.

Nur weil ich als Therapeutin arbeite, mache ich ja keinen schlechteren Nagellack und umgekehrt. Mein Rat wäre also, dass man ruhig zwei Sachen, die auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, machen kann und diese nebeneinander existieren können. Ich habe so viele Interessen und mache beides extrem gerne, sonst könnte ich den Bereichen auch gar nicht arbeiten.

Hier kommen wir wieder an dem Punkt, dass man es einfach nicht allen recht machen kann. Wichtig ist eben, dass man dahintersteht, was man macht.

 

 

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Kati: Wie mache ich den Nagellack länger haltbar?

Nina: Das ist tatsächlich sehr individuell. Es geht darum, wie fettig, trocken, weich oder hart der Nagel ist. Alleine das ist schon total wichtig, weswegen man das gar nicht so pauschal sagen kann. Es kommt natürlich auch immer auf den Nagellack an. Der eine Lack verträgt dickere Schichten, der andere dünnere. Genauso verhält es sich mit Über- und Unterlacken. Ich persönlich verwende nie Unterlack, weil der Lack bei mir so sehr viel besser hält.

Wichtig ist, dass ich die Nägel vorbereite und vorher mit Seife wasche, aber nicht mit Desinfektionsmittel, der darin enthaltene Alkohol verträgt sich oft nicht mit dem Nagellack und es kann zu Blasen kommen. Anschließend sollte man den Nagel gut trocknen lassen und sich vor allem Zeit lassen. Wenn ich meine Nägel lackiere, rechne ich mir mindestens eine Stunde ein. Ich sitze am Computer und kann dort tippen, während der Nagellack richtig aushärtet.

 

Kati: Was ist deine Lieblingsnagellackfarbe?

Nina:

 

Meine Lieblingsnagellackfarbe ist Schwarz.

 

Ich liebe Schwarz im Sommer, im Winter, auf den Füßen und auf den Händen. Ich finde, dass Schwarz immer perfekt und edel aussieht. Ich muss mich tatsächlich oft zwingen, eine andere Farbe zu wählen.

 

Kati: Cool! Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Nina: Meine Pläne für die Zukunft sind, dass wir so schön weiterwachsen wie bisher. Von der am Anfang sehr nischig gehaltenen Platzierung gehen wir jetzt auch in größere Häuser, wie seit letztem Herbst das KaDeWe und nun auch das Alsterhaus.

Für uns funktionieren solche Häuser sehr gut, da wir eine Indie-Brand sind und keine Investoren haben. Das ist schon schön. Auch das Feedback, das wir aus dem Ausland bekommen ist toll. Dort wollen wir das Distributionsnetz weiter ausbauen. Tatsächlich haben wir zum Beispiel in den Niederlanden schon einen großartigen Vertriebspartner.

Ich möchte nicht um jeden Preis ein Weltimperium aus OZN machen. Es soll zwar auf der ganzen Welt zu kaufen sein, aber ich will auf gar keinen Fall, dass die Qualität und die Sachen, die uns wichtig sind, unter dem Wachstum leiden. Es soll immer eine Marke bleiben, hinter der ich 100-prozentig stehen kann.

 

Kati: Vielen Dank, liebe Nina!

 

 

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Du willst Nina und OZN besser kennenlernen? Hier findest du sie:

Website und Shop

ozn-vegan.de

 

Instagram

@ozn_vegan

 

Facebook

@nina.skarabela

 

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