Influencerin und Unternehmerin Leslie Huhn: „Die Persönlichkeit zählt“

(Copyright: Leslie Huhn)

Katharina: Liebe Leslie, erzähle uns doch, wer du bist und was du machst.

Leslie Huhn: Ich heiße Leslie Huhn und bin 28 Jahre alt. Ich bezeichne mich vor allem als Unternehmerin, statt als Influencerin, weil wir viel mehr für unsere eigene Agentur Spreadvertise tätig sind.

Ich habe in Leipzig Sportmanagement studiert und während des Studiums schon gemerkt, dass es nicht die Branche ist, in der ich später arbeiten möchte und habe zusätzlich mit Wirtschaftsinformatik angefangen.

Mein Mann und ich, wir sind bereits seit elf Jahren zusammen, haben während des Studiums mit einem Online Shop für Cheerleader Bekleidung angefangen. Es war nie geplant, aber hat sich so ergeben, weil wir zu der Zeit sehr professionell ein Cheerleading Team geführt haben, mit dem wir sogar Weltmeisterschaften besucht haben.

Wir waren außerdem selbst Cheerleader in einem Team bestehend aus 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer. Es ging nur um Akrobatik, ohne Poms und Getanze. Wir brauchten damals Kostüme für das ganze Team, die unheimlich teuer waren und so haben wir ein Gewerbe angemeldet, um die Sachen beim Großhändler zu bestellen und an unser Team für den gleichen Preis weiterzugeben.

Mit der Zeit haben das die umliegenden, uns zum Teil unbekannten Teams mitbekommen und somit konnten wir ein bisschen was draufschlagen. Am Ende des Jahres hatten wir eine gute Summe zusammen, haben aber einen wichtigen Punkt nicht bedacht: Die Steuern! Das war unser Pech und unser Glück zugleich.

Das Finanzamt teilte uns mit, dass wir 25.000 Euro Steuern nachzahlen müssen. Wir waren geschockt und ich habe geweint, weil wir das Geld nicht hatten. Aber man lernt ja aus seinen Fehlern und zum Glück hat uns dieser Fehler nicht zerstört, sondern stärker gemacht.

In diesem Punkt kritisiere ich die Universität, weil wir sogar in einem Wirtschaftsstudium nichts darüber gelernt haben. Wir mussten uns später alles selber beibringen. Im kommenden Jahr konnten wir uns dann von unserem Business selbst finanzieren, da war ich rund 24 Jahre alt. Diese Unabhängigkeit war meiner Meinung nach das beste Gefühl!

 

Copyright: Leslie Huhn

 

 

Katharina: Wow wie spannend! Wie ist dann deine eigene Modemarke entstanden?

Leslie: Durch verschiedene Kontakte haben wir dann unsere eigene Modemarke LH Brand (Anm. d. Red.: damals für Leslie Huhn, heute Lost Here) gegründet. So kam der zweite Online Shop und gleichzeitig auch Instagram, was sich dann gegenseitig gepusht hat.

Mit meinem Mann und meiner Schwester waren wir auf der Platform Fashion in Düsseldorf und waren sehr enttäuscht von einem bekannten Lederjackenhersteller, weil das Leder sehr hart, steif und überhaupt nicht weiblich war. Ich habe mir dann gesagt: „Das kann ich auch!“. Und das war der Startschuss für LH Brand.

Ich habe mich mit meiner Schwester zusammengesetzt, um die perfekte Lederjacke zu designen. Wir wollten eine Jacke gestalten, die alle perfekten Eigenschaften anderer Jacken in sich trägt und einige Dinge, die wir selber schön fanden, hinzufügen. Das ganze hat 1,5 Jahre gedauert, bis man die erste Jacke kaufen konnte. Noch ein Jahr später folgte dann unsere eigene Modenschau auf der Platform Fashion.

Unser nächstes Ziel ist dann die Berlin Fashion Week. Eigentlich wollten wir diesen Sommer dort unsere Jacken präsentieren, unsere Agentur ist aber pleite gegangen und mit unserem Geld verschwunden. Davon erholen wir uns quasi heute noch, weil solche Shows wirklich teuer sind.

 

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Katharina: Neben deinen eigenen Brands bist du selbst auch eine Marke. Was sind deine Tipps, wie man zur Marke wird?

Leslie: Meiner Meinung nach, muss man nicht bekannt sein, um eine Marke zu sein, sondern die Persönlichkeit zählt. Es gibt Menschen, die alle Blicke auf sich ziehen, sobald sie einen Raum betreten. Auch in meinem Freundeskreis gibt es solche Leute, die ich für ihr Selbstbewusstsein bewundere.

Ich war nie die Lauteste, aber ich hatte meinen eigenen Kopf. Ich habe mich über viele Grenzen und Menschen hinweggesetzt. Viele Menschen sagen mir nach Events, wie ich das Event bereichert habe, weil ich so höflich und freundlich bin. Diese Tugenden kriegt nicht mehr jeder in unserer Generation mit.

 

Katharina: Hast du dich aus diesem Grund für die Selbstständigkeit entschieden?

Leslie: Lustigerweise kam es für mich noch nie in meinem ganzen Leben in Frage, mich irgendwo anstellen zu lassen. Als Student habe ich in einem Getränkemarkt Kisten geschleppt, im Edeka an der Kasse gearbeitet und bei Only/Vero Moda im Verkauf. Ich weiß, wie die Arbeit sich anfühlt, ich würde aber niemals etwas für jemanden anderen machen.

Wenn ich in meiner Agentur arbeite, weiß ich, dass der ganze Ruhm, der finanzielle Erfolg und das Ansehen letztendlich bei dem Gründer der Firma liegt und nicht bei den Mitarbeitern. Der Name, der in die Welt hinausgetragen wird, als Gründer und erfolgreiche Person, werde nicht ich sein, wenn ich nur der Mitarbeiter bin. Schon während meiner Schulzeit und im Studium war mir klar, dass ich mich nicht anstellen lassen werde.

Ich habe nur ein bisschen gebraucht, um meinen Mann davon zu überzeugen, dass das der richtige Weg ist. Er ist Mitgründer der Agentur.

 

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Katharina: Welchen Tipp würden Frauen geben, sich selbstständig zu machen? Was braucht man?

Leslie: Ich glaube, dass es sich um eine innere Einstellung handelt. Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich nicht, dass man sich das aneignen kann, sondern dass es von Anfang an in einem brodelt. Wenn ich an meine Kindheit und Vergangenheit zurückdenke, dann weiß ich, dass der Weg mir so geebnet wurde.

Man muss dazu sagen, dass mein Vater auch schon immer selbstständig war. Er hat uns jahrelang über die Vorzüge aufgeklärt und das Selbstständigsein vorgelebt. Wir haben mit meinem Vater die guten, als auch die schlechten Seiten durchgemacht, es gab auch Tage, an denen er nicht wusste, wie er etwas zu essen kaufen soll, weil er nicht wusste, ob er demnächst einen Job bekommt.

Das sind wir mittlerweile durch, das ist schon sehr, sehr lange her. Zu der Zeit war ich grade mal fünf Jahre alt. Ich kann mich gar nicht mehr so gut daran erinnern, aber es hat meine Familie geprägt. Meine Mutter war als Krankenschwester angestellt und ihre Leidenschaft war es, etwas für andere zu tun.

 

Katharina: Was bedeutet Erfolg für dich?

Leslie: Ehrlich gesagt, habe ich Erfolg am Anfang unserer Unternehmungen viel in Zahlen gesehen. Je höher der Paycheck, desto erfolgreicher ist man. Relativ schnell hat sich aber herauskristallisiert, dass Geld nicht das ist, was mich erfolgreich macht, weil mich auch große Kampagnen nicht mehr wirklich befriedigt haben.

 

Was für mich Erfolg bedeutet, ist vor allem Anerkennung.

 

Die Anerkennung von Followern, von Gleichgesinnten, von Leuten, die einen auf Events einladen oder als Experten einladen. Erfolg liegt aber auch darin, was einen glücklich macht und das sind für mich die Schritte im Leben, die mir zeigen, dass es immer weiter geht. Zum Beispiel unser erster Mitarbeiter, Sachen, die man noch nie gemacht hat und Hürden, die man überwindet.

Den Luxus, den wir uns gönnen, ist es Essen zu gehen. Wir gehen morgens, mittags und abends essen. Danach investieren wir viel in Reisen, in denen wir nicht arbeiten müssen. Unser erster Urlaub, in dem wir kaum gearbeitet haben, war vor einem Monat an unserem einjährigen Hochzeitstag.

 

Katharina: Hast du ein Lieblingszitat?

Leslie: Ja habe ich wirklich, ich traue mich nur manchmal nicht, es zu sagen, weil es etwas arrogant wirkt. Ich habe mir immer auf die Fahne geschrieben:

 

Be so good they can’t ignore you.

 

Man sollte sich immer so weit nach oben arbeiten, bis man angekommen ist und nicht vorher aufgeben.

 

Katharina: Hast du ein Lieblingsbuch?

Leslie: Für mich gibt es nicht das eine Buch, den einen Kanal, weil ich mich selten auf eine Sache fixiere. Ich sehe mich selbst in der Situation, dass ich alles schaffen kann. Mit dem Gedanken sehe ich niemanden über mir stehen und nichts das mich jetzt anleiten könnte. Für mich ist nur mein Weg der einzig richtige. Das hört sich sehr extrem an, aber mit diesem Gedanken bin ich bisher sehr gut gefahren.

Wenn es einen Podcast gibt, den ich ganz interessant finde, dann ist es der von Blogger Bazaar. Ich finde es schön, dass sie auch mal ihren Senf dazu geben.

 

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Katharina: Welchen Rat würdest du einer jüngeren Leslie mit auf dem Weg geben?

Leslie: Meinem jüngeren Ich würde ich sagen, dass ich entspannter werden muss. Ich weiß, dass mein jüngeres Ich das gar nicht hören will, aber ich war sehr, sehr perfektionistisch. Bei mir ging es so weit, dass mein Perfektionismus meine ganze Glückseligkeit, mein Umfeld und meine Familie stark beeinflusst habt. Es traut sich keiner meiner Familie mehr Kritik an mir zu äußern, weil ich das überhaupt nicht verkraften konnte.

Meine Hochzeit war wohl deshalb auch die schönste, die es gab, weil immer noch alle davon geprägt waren und mir alles Recht machen wollten.

 

Instagram hat mir aber unheimlich viel zurück gegeben, Sachen an die ich niemals gedacht hätte.

 

Wenn vorher irgendwas schief gelaufen ist, bin ich nicht nur ausgetickt, sondern habe mich auch in Depressionen gestürzt, aus denen ich lange nicht herausgekommen bin. Daraufhin kam Instagram und hat mir gezeigt, dass ich spontan sein muss. Spontanität war früher ein Fremdwort für mich. Wenn ich nicht zwei Wochen vorher wussten, dass wir an einem Abend mit Freunden etwas trinken gehen, dann hätte ich das abgesagt. Ich hatte meine Liste und meinen Kalender, der im Fünf-Minuten-Takt durchgeplant war, damit ich auch genau wusste, wann ich was machen muss.

Mit Instagram kamen dann abends Anrufe, ob ich am nächsten Morgen den Flieger nehmen kann. Das hat mich am Anfang völlig überfordert, ich wollte aber auch nichts absagen und immer dabei sein. Das hat mich viel relaxter gemacht und ich kann mein Leben viel mehr genießen. Als ich diesen Punkt überwunden habe, war ich die glücklichste Person überhaupt.

 

Copyright: Leslie Huhn

 

 

Katharina: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Leslie: Mein früheres Ich hätte schon den Fünf- und Zehnjahresplan. Dadurch, dass ich gemerkt habe, dass man nicht so viel planen kann und mich das Planen auch unglücklich macht, kann ich dir das noch gar nicht sagen. Es gibt ein oder zwei Projekte, die noch nicht öffentlich sind, die schon für nächstes Jahr anstehen. Ansonsten versuche ich weniger zu planen, einfach um glücklicher zu sein.

 

Katharina: Liebe Leslie, vielen Dank für das schöne Interview!

 

Du willst Leslie Huhn genauer kennenlernen? Hier findest du sie:

Instagram

@lesliehuhn

 

Website

www.leslie-huhn.com

 

Facebook

@lesliehuhnofficial

 

Online Shop

LH Brand

 

Agentur

Spreadvertise

 

 

 

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